Eine Reise durch die Abteilungen der SZU
Lokführer Robin Weiss besuchte verschiedene Abteilungen innerhalb der SZU, um herauszufinden, welche Personen im Hintergrund wirken.
Rote Wagenkasten, blanke Räder und ein Innenraum, in dem die Technik noch offenliegt: Bei Stadler nimmt un-sere neue S4-Flotte Gestalt an. Während unseres Besuchs im September erleben wir einen besonderen Meilenstein – die «Hochzeit» des ersten Zugs.
Die rote Front ist bereits unverkennbar. Unter dem Hallendach des Stadler-Werks in Bussnang stehen die Fahrzeuge, die künftig unsere Fahrgäste durchs Sihltal bringen werden. Leitern und Arbeitsplattformen ermöglichen den Zugang, daneben warten Drehgestelle auf ihren Einsatz. Noch stehen einzelne Wagenkasten erhöht über dem Hallenboden.
An diesem Nachmittag werden die Wagenkasten des ersten Fahrzeugs mit den Drehgestellen vereint. Im Fahrzeugbau heisst dieser Arbeitsschritt «Aufsetzen». Er markiert einen besonderen Moment: Zum ersten Mal steht der neue Zug mit seinen eigenen Rädern auf den Schienen.
Für die SZU sind Raphael Wettstein, Leiter Projekte Rollmaterial & Flottentechnik, sowie Luke Zollinger und Jan Mader, beide Projektleiter Rollmaterial, vor Ort. Sie betrachten Einstiege, Wagenkasten und die Technik unter dem Fahrzeug aus nächster Nähe. Was lange in Plänen und technischen Unterlagen festgehalten war, lässt sich jetzt unmittelbar begutachten.
Im September 2024 haben wir bei Stadler 17 dreiteilige Triebzüge bestellt. Die ersten drei befinden sich nun im Bau. Sie gehören zur FLIRT-Familie und tragen die Fahrzeugbezeichnung RBe 546. Hinter diesen nüchternen Angaben steckt die grösste Rollmaterialbeschaffung in der Geschichte der SZU.
Bis aus den Anforderungen ein fertiger Zug wird, sind zahlreiche Arbeitsschritte nötig. Wagenkasten werden zusammengeschweisst und lackiert, technische Komponenten eingebaut, Leitungen und Kabel verlegt. Türen, Verkleidungen, Fussböden und Sitze ergänzen das Fahrzeug nach und nach.
Wie viel Arbeit darin steckt, zeigt sich beim Gang durch den künftigen Fahrgastraum. Die Sitzreihen fehlen noch. An den Wänden sind bereits Verkleidungen angebracht, andernorts bleiben Kabel und technische Einbauten sichtbar. Ein offener Schaltschrank gibt den Blick auf dicht angeordnete elektrische Komponenten frei. Über dem Gang leuchtet bereits ein durchgehendes Lichtband.
Der Werkbesuch eröffnet damit Perspektiven, die Fahrgäste später kaum mehr zu sehen bekommen. Unter dem Wagenkasten liegen Räder, Federung und weitere Bauteile der Drehgestelle offen vor uns. Im fertigen Zug wird vieles davon hinter Abdeckungen verschwinden oder nur noch bei Unterhaltsarbeiten zugänglich sein.
Jeder neue Zug ist rund 63 Meter lang. Bei hoher Nachfrage lassen sich zwei Fahrzeuge zu einer knapp 130 Meter langen Komposition verbinden. In ruhigeren Zeiten können sie einzeln verkehren.
Die einstöckigen Züge mit jeweils sechs Niederflureinstiegen sind auf die kurzen Haltestellenabstände der S4 ausgelegt. Sie erleichtern das Ein- und Aussteigen und helfen, die Haltezeiten kurz zu halten. Damit schaffen sie eine wichtige Voraussetzung für einen zuverlässigen Betrieb bei steigenden Fahrgastzahlen. Schrittweise ersetzen sie die heutigen, teilweise über 30 Jahre alten Kompositionen.
Auf die «Hochzeit» folgen weitere Montagearbeiten und umfangreiche Prüfungen. Bereits am 29. September wurde das erste Fahrzeug zur Inbetriebsetzung nach Erlen überführt. Dort werden die Systeme aktiviert, eingestellt und auf ihr Zusammenspiel geprüft. Der Innenausbau ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
2027 steht das umfangreiche Typen- und Zulassungsprogramm an. Unter anderem werden Bremsen, Türen, Antrieb und Fahrgastinformation geprüft. Erst nach den erforderlichen Nachweisen und Bewilligungen darf der reguläre Fahrgastbetrieb beginnen.
Dieser ist für das erste Fahrzeug ab Mai 2028 vorgesehen. Bis Juli 2029 sollen alle 17 Züge in Betrieb sein. Bis dahin bleibt viel zu tun. In Bussnang aber ist die Zukunft der Sihltalbahn bereits greifbar geworden und steht erstmals auf eigenen Rädern.
Lokführer Robin Weiss besuchte verschiedene Abteilungen innerhalb der SZU, um herauszufinden, welche Personen im Hintergrund wirken.