«Ich begleite ein Projekt während etwa fünf Jahren.»

SZU Leiter Projekte Bau Lukas Scheu

Lukas Scheu ist Leiter Projekte Bau bei der SZU. Er berichtet, welche Herausforderungen die Fahrbahnerneuerung zwischen Sood und Sihlau mit sich bringt. Und was getan wird, damit die Fahrgäste so wenig wie möglich davon merken.

 

«Ich begleite ein Projekt während etwa fünf Jahren.»

Die Fahrbahn zwischen Sood und Sihlau wird erneuert – warum muss man das tun?
Die Fahrbahn ist am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen – die beträgt in der Regel rund 40 Jahre für den Ober- und rund 100 Jahre für den Unterbau. Wie lange eine Strecke tatsächlich befahren werden kann, ist aber sehr unterschiedlich: Es kommt unter anderem darauf an, aus welchen Materialien die Fahrbahn besteht und wie stark sie beansprucht wird. Die Strecke, die wir nun erneuern, ist zwar nicht ganz homogen, der grösste Teil des Oberbaus stammt aber aus den späten 70er-Jahren.

Sie sprechen von «Oberbau» und «Unterbau». Wie setzt sich so eine Fahrbahn überhaupt zusammen?
Zum Oberbau gehört alles, was man sieht: Die Schienen, die Befestigungen, die Schwellen und der Schotter. Der Unterbau ist eine Fundationsschicht, welche die Kräfte, die auf den Oberbau einwirken, gleichmässig auf den Untergrund verteilt.

Was passiert im Rahmen der Erneuerung nun genau?
Weil nicht alle Elemente der Fahrbahn gleich alt sind, müssen auch nicht überall die gleichen Arbeiten erledigt werden. Grundsätzlich bauen wir auf 1,5 Kilometern sowohl Unter- als auch Oberbau komplett neu. Abschnittsweise wird aber nur der Oberbau erneuert – da der Unterbau dort noch in gutem Zustand ist. Das betrifft gut 650 Meter.

Wie lange dauern die Arbeiten?
Von Anfang März bis Ende Juli.

Hat das Auswirkungen auf den Fahrplan?
Ja, es kommt zu zwei Wochenendsperrungen zwischen Adliswil und Sihlwald sowie teils verlängerten Nachtpausen zwischen Brunau und Langnau-Gattikon. Wir machen das nicht gern, aber es ist trotz sorgfältiger Planung nicht zu vermeiden. Denn bei einem solchen Projekt spielen neben der lückenlosen Dienstleistung auch weitere Faktoren eine Rolle: Die Streckenerneuerung soll ja auch zügig und mit vertretbaren Kosten abgeschlossen werden. Wenn immer möglich erledigen wir die Arbeiten während der regulären Nachtpausen. Für grössere Teilarbeiten sind diese knappen vier Stunden allerdings zu kurz. Darum kommt es zu den Betriebsunterbrüchen. Wir achten aber immer darauf, dass so wenige Fahrgäste wie möglich davon betroffen sind.

Welche Alternativen stehen ihnen zur Verfügung?
Während dieser Zeit verkehren Bahnersatzbusse. Zudem sind Personen an den betroffenen Bahnhöfen vor Ort und werden den Fahrgästen den Weg weisen.

Bringt die Fahrbahnerneuerung konkrete Verbesserungen?
Es ist grundsätzlich eine Standarderneuerung, bei der wir alle Elemente auf den aktuellen Stand der Technik bringen. Die Gleisgeometrie konnte leicht optimiert werden, so dass zwischen Adliswil und Sihlau die Geschwindigkeit um 5 km/h erhöht werden kann. Das ist ein kleiner Beitrag, um die Fahrplanstabilität zu verbessern. Speziell ist etwa, dass wir die Schienen auch auf vergleichsweise engen Kurvenradien lückenlos verschweissen können. Die sogenannten Schienenstösse, welche die Schienen sonst miteinander verbinden würden, fallen dadurch weg. Das macht die Fahrt nicht nur leiser, auch kostspielige Unterhaltsarbeiten an den Stössen entfallen. Die Verschweissung in kleinen Radien ist aber nur möglich, wenn die Einwirkungen auf das Gleis aufgrund der Temperaturschwankungen in der Theorie genau betrachtet und nach der Realisierung mittels Messungen überprüft werden.

Sie leiten dieses Projekt. Was bedeutet das?
Bei mir laufen die Fäden zusammen. Die Erneuerungsarbeiten sind ja nur ein Teil davon. Ich begleite so ein Projekt während etwa fünf Jahren: von der Bedürfnisformulierung, über die Projektierung, die Ausschreibung, bis zur Realisierung. Das bedarf viel Koordination, denn selbstverständlich stemmt man so ein Projekt nicht allein. Es braucht neben dem Fahrbahn-Team zahlreiche interne und externe Fachleute, die Hand in Hand zusammenarbeiten: Spezialisten für Fahrleitungen, Trassen, für Sicherungen und Verkabelung, Bahnersatz und vieles weitere.

Was schätzen Sie an Ihrer Aufgabe?
Genau diese Arbeit im Team gefällt mir besonders gut. Durch die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Menschen lerne ich bei jedem Projekt wieder etwas Neues. Hinzu kommt: Ich finde meine Arbeit technisch ungemein spannend und freue mich, dass dabei auch etwas Sichtbares, Sinnvolles entsteht.

Leiter Projekte Bau Lukas Scheu im Interview

Seit knapp vier Jahren arbeitet Lukas Scheu bei der SZU. Erst als Projektleiter Fahrbahn, seit einem halben Jahr als Leiter Projekte Bau. Diese Aufgabe bringt ihn mit vielen internen und externen Fachspezialisten zusammen – etwas, das er an seinem Beruf besonders schätzt.

Interview Leiter Projekte Bau

Lukas Scheu am Arbeitsplatz
Anzeige im Zug
Die Sihltalbahn bei der Haltestelle Saalsporthalle