Die SZU baut neue Weichen in Richtung Zukunft

Giesshübel Gleis Brücke

Damit die Kundinnen und Kunden auch künftig sicher und zuverlässig ans Ziel kommen, erneuert die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU in den kommenden Jahren ihre beiden Bahnlinien S4 und S10.  Die erste umfassende Modernisierungsphase ist bereits in vollem Gange: Mit dem aktuellen Umbau der Haltestelle Zürich Manegg sowie der Sanierung des Manessetunnels und der Erneuerung von Fahrbahnen und Brücken beim Bahnhof Zürich Giesshübel werden in den nächsten Monaten gleich mehrere Bauprojekte umgesetzt.

Als regionaler Verkehrsbetrieb betreibt die Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU neben der Sihltalbahn S4 und der Uetlibergbahn S10 auch die Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg LAF. Zudem ist sie für das Busangebot im Sihltal und am linken Ufer des Zürichsees zuständig. Die SZU ist nicht nur mit verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs, auch ihre Kundschaft ist eine bunte Mischung: Täglich nutzen mehr als 70’000 Fahrgäste das Angebot – sei es, um zur Arbeit zu pendeln, für Ausflüge, Einkäufe oder Besuche. Mit der Anbindung ihrer Bahnlinien an den Zürcher Hauptbahnhof vor fast 40 Jahren, ist die jährliche Zahl der Passagiere von vier auf 15 Millionen gestiegen. Von einem weiteren Anstieg ist auszugehen. 

Bahnhof Giesshübel

Fit für die Zukunft

Wohl wenige andere Bahnen in der Schweiz stehen mit zahlreichen Baustellen aktuell und in der kommenden Zeit vor solch grossen Herausforderungen. Dies liegt zum einen daran, dass die in die Jahre gekommene Infrastruktur kontinuierlich erneuert werden muss. Diverse Projekte im Bereich des Substanzerhalts müssen schnellstmöglich umgesetzt werden, damit die Sicherheit und Verfügbarkeit der Infrastrukturanlagen weiterhin gewährleistet werden kann. Zum anderen entstehen durch die zunehmend hohe Popularität des Sihltals als Wohngebiet laufend neue Siedlungen und Ausbildungsstätten, die zu einer erheblichen Steigerung der Nachfrage auf der S4 führen. Als Folge dessen ist es kaum mehr möglich, die Pünktlichkeit der Züge in den Hauptverkehrszeiten sicherzustellen. Zur weiteren Leistungssteigerung kauft die SZU daher neues Rollmaterial und verdichtet mit Doppelspurausbauten das Angebot in den Hauptverkehrszeiten. Weiter müssen bis Ende 2023 sämtliche Haltestellen den Bedürfnissen der mit einer Behinderung oder aufgrund des Alters eingeschränkten Reisenden entsprechen. Aus diesem Grund werden derzeit in der ganzen Schweiz Perrons auf Einsteigehöhe umgebaut, die Zugänge mit Rampen ergänzt und die Kundeninformation visuell und akustisch optimiert.

Uetlibergbahn

Kundenzufriedenheit als höchstes Gebot

Die SZU hat mit der Erneuerung der Haltestelle Zürich Manegg bereits damit begonnen, auch Reisenden mit eingeschränkter Mobilität barrierefreies Reisen zu ermöglichen und dadurch die Kundenbedürfnisse abzudecken. Die Sanierung des Manessetunnels dient vorwiegend der Instandsetzung von Schäden am Gewölbe, die wiederum die Nutzungsdauer des Tunnels um viele Jahre verlängern und für einen sicheren und reibungslosen Bahnbetrieb sorgen wird. Auch ein Teil der Fahrbahnen im Bahnhof Zürich Giesshübel haben ihre Nutzungsdauer erreicht und müssen erneuert werden. Um den zukünftigen Anforderungen zu entsprechen, ersetzt die SZU von Sommer bis Herbst 2021 neben den Schwellen und Schienen teilweise auch den Unterbau und die Entwässerung. Zudem verstärkt sie bis im Frühjahr 2022 die Brücken über die Manessestrasse und die Sihl.
Es lässt sich daher leider nicht vermeiden, dass diese drei Bauprojekte gleichzeitig umgesetzt werden müssen. Dabei plant die SZU bereits bestmögliche Vorkehrungen für eine reibungslose Bauphase. Um die Arbeiten möglichst schnell in bester Qualität durchzuführen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Fahrgäste zeitlich zu begrenzen, wird sowohl tagsüber als auch nachts gearbeitet.

Giesshübel Gleis Brücke

Trotz allem werden die Bauarbeiten den regulären Betrieb beeinträchtigen. Dies wird sich vor allem in längeren Reisezeiten beziehungsweise durch das Ausweichen auf den Ersatzbus oder die innerstädtischen Tram- und Buslinien der VBZ zeigen. Leider lässt sich auch der Rückbau- und Baulärm bei solch weitgreifenden Erneuerungen nicht vollständig vermeiden. Diverse Bauarbeiten werden daher für die Anwohnerinnen und Anwohner hör- und spürbar sein. Zudem sind von Sommer bis Herbst 2021 zeitweise Sperrungen von Streckenabschnitten der Linien S4 und S10 erforderlich. In Absprache mit der Bauleitung werden die dortigen Arbeitsabläufe sowie das gesamte Bauverfahren jedoch fortlaufend angepasst und verbessert. Zudem wird darauf geachtet, dass Arbeiten mit hohen Lärmemissionen gleichzeitig durchgeführt werden und das Baustellenpersonal lärmmindernd arbeitet. Ergänzend werden die Anwohnerinnen und Anwohner rechtzeitig über bevorstehende lärmintensive Bauarbeiten in Form von Lärminseraten, Anwohnerschreiben und über Plakate an den Haltestellen informiert. Auch auf der Website und in den sozialen Medien der SZU wird regelmässig auf die Arbeiten hingewiesen und der direkte Austausch mit den Betroffenen nicht gescheut.

Schritt halten für mehr Komfort und Verlässlichkeit

Auch in den kommenden Jahren renoviert und modernisiert sich die SZU für die Zufriedenheit ihrer Kundinnen und Kunden weiter. Neben Substanzerhaltungsmassnahmen fokussiert sie sich auf zahlreiche weitere Vorhaben wie die Verbesserung der Pünktlichkeit (bis 2023), die Steigerung der Kapazität (bis 2026) und den Ausbau des Angebots (bis 2028). So sollen im Jahr 2022 beispielsweise der Bau eines Spurwechsels beim Google-Gebäude sowie die Umstellung des Stromsystems der Linie S10 erfolgen. Dadurch bietet die SZU ihrer Kundschaft nicht nur eine effiziente Transportkette, sondern leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Attraktivität der Region.

Reto von Planta

 

«Wir wollen offen, ehrlich und kontinuierlich über die Projekte informieren.»

Reto von Planta, Bereichsleiter Infrastruktur, im Interview:

Sie verantworten die Bauprojekte der SZU. Wie oft sieht man Sie auf den Baustellen?
In meiner täglichen Arbeit geht es oft darum, die Rahmenbedingungen für die Bautätigkeiten zu optimieren und Informationen auszutauschen. Es gibt zunehmend rechtliche und regulatorische Aspekte, die unsere Arbeit beeinflussen. Auch der Anteil an Berichterstattung gegenüber Bund und Kanton nimmt laufend zu. So bleibt für Baustellenbesuche leider nur wenig Zeit. Baustellen suche ich vor allem auf, wenn Unklarheiten bestehen oder Probleme auftreten. In diesen Fällen ist es oft hilfreich, sich ein Bild vor Ort zu machen.

Welche wird in den nächsten Monaten die grösste Baustelle sein?
2021 ist der Umbau am Bahnhof Zürich Giesshübel unser grösstes Projekt. Dort werden etwa 500 Meter Gleise und vier Weichen erneuert sowie die Brücke über die Manessestrasse statisch verstärkt. Im Frühjahr 2022 folgt dann auch noch die Giesshübelbrücke – dies jedoch ohne Beeinträchtigung des Bahnverkehrs und zu normalen Arbeitszeiten am Tag.

Worauf müssen sich die Anwohnerinnen und Anwohner am Giesshübel während der Bauarbeiten einstellen?
Der Bahnhof Zürich Giesshübel stellt ein Nadelöhr auf dem Netz der SZU dar: die beiden Linien der S4 (Sihltalbahn) und S10 (Uetlibergbahn) vereinen sich dort und führen ab dann über eine gemeinsame Infrastruktur bis zum Hauptbahnhof. Da beide S-Bahnen zu den meistgenutzten Linien in Zürich zählen, müssen Arbeiten so weit wie möglich in konzentrierter Bauweise innerhalb von Streckensperrungen oder dann in der Nacht erledigt werden. Bei diesem Projekt wird der Betrieb für drei Wochen vollständig eingestellt und schliesslich im Zwei- und Mehrschichtbetrieb gearbeitet. Während weiteren zehn Wochen müssen Arbeiten in verlängerten Nachtsperren durchgeführt werden. Auch wenn möglichst viele der lauten Arbeiten am Tag durchgeführt werden, wird es nicht ohne Baulärm in der Nacht gehen. Aus Rücksicht auf die Anwohnerinnen und Anwohner wird bei den Nachtarbeiten jeweils nach zwei Nächten eine Ruhenacht eingelegt.

An der Eichstrasse beim Giesshübel wird ein Installationsplatz errichtet. Was ist ein Installationsplatz?
Ein Installationsplatz ist eine Arbeitsfläche, um die Logistik von und zu der Baustelle sicherzustellen. Einerseits werden dort zu verbauende Materialien zwischengelagert und vorkonfektioniert, anderseits dient die Fläche als Umschlagplatz zwischen Strasse und Schiene. Der kleine Platz an der Eichstrasse ist also ein wichtiger Zugang zur Baustelle, ohne den die gesamte Logistik kaum möglich wäre.

Was wird während der Erneuerungen der Fahrbahn und Brücken getan, um den Baulärm für die Anwohnerinnen und Anwohner möglichst zu minimieren?
Wir sind uns sehr bewusst, dass solche Arbeiten und der damit verbundene Lärm sehr unangenehm und beeinträchtigend sind. Wir versichern aber, dass wir diesen bestmöglich reduzieren werden. So erstellen wir in Zusammenarbeit mit der Lärmpolizei vorab auch ein Baulärm- und Informationskonzept, das wir während des Baus kontinuierlich umsetzen werden. Leider lässt sich der Baulärm bei solch weitgreifenden Erneuerungen jedoch nicht vollständig vermeiden, wofür wir uns entschuldigen.

Es wird auf den Linien S4 und S10 zu Streckensperrungen kommen. Wo und wie lange werden diese dauern?
Streckensperrungen sind bei der Art der anstehenden Arbeiten leider nicht vermeidbar. In diesem Jahr benötigen wir eine dreiwöchige Streckensperrung am Bahnhof Zürich Giesshübel, die beide Linien betrifft. Reisende Richtung Uetliberg können ab Zürich Binz in den Zug einsteigen, Reisende ins Sihltal voraussichtlich ab Zürich Saalsporthalle. Solche Sperrungen haben aber auch ihre grossen Vorteile: Bauarbeiten schreiten schneller voran, diverse Nachtarbeiten können umgangen und lärmintensive Tätigkeiten in den Tag verlegt werden.

Wo sehen Sie als Leiter Infrastruktur in den nächsten Monaten die grössten Herausforderungen für die SZU?
In diesem Jahr finden die intensiven Bautätigkeiten mehrheitlich auf stark genutzten Streckenabschnitten und in dicht besiedeltem Gebiet statt. Die grosse Herausforderung sehe ich jedoch nicht in der Bautechnik oder den komplizierten Bauabläufen, sondern viel mehr in den Einschränkungen für unsere Kundinnen und Kunden sowie Anwohnerinnen und Anwohner. Es wird Zugausfälle und Bahnersatz geben. Zudem verursachen die Baustellen erheblichen Lärm am Tag und in der Nacht. Die SZU ist sich dessen bewusst und unternimmt alles Mögliche, um Kundinnen und Kunden sowie Anwohnerinnen und Anwohner möglichst wenig damit zu stören. Wir sind uns aber bewusst, dass trotz aller Massnahmen Unmut und Fragen aufkommen werden. Diesen werden wir mit einer ehrlichen und fortdauernden Kommunikation begegnen. Bei Problemen, Bedenken und Feedback von Kundinnen und Kunden sowie Anwohnerinnen und Anwohner, sind wir stets und gerne dazu bereit, miteinander in einen offenen Dialog zu treten.

Bereichsleiter Infrastruktur Reto von Planta im Interview

Reto von Planta ist seit zwei Jahren als Bereichsleiter Infrastruktur für die SZU tätig und Mitglied der Geschäftsleitung. Neben der strategischen und operativen Leitung des Bereichs Infrastruktur hat er auch die Verantwortung für die Geschäftsfelder Infrastruktur und Anlagen mit den Abteilungen Bau und Sicherungsanlagen/elektrische Anlagen mit rund 50 Mitarbeitenden. Nach seinem Abschluss als Dipl. Bauingenieur an der ETH mit Zweitstudium in Betriebswirtschaft war er mehrere Jahre bei der Südostbahn, ebenfalls im Bereich Infrastruktur, tätig.