Interview Sebastian Etter

Portrait von Sebastian Etter

Interview mit Sebastian Etter über den Bau einer zusätzlichen Weichenverbindung beim Google-Gebäude.

Interview mit Sebastian Etter

Sie sind zuständig für den Bau des Spurwechsels beim Google-Gebäude. Was beinhaltet diese Aufgabe?
Als Gesamtprojektleiter führe ich das Projektteam und bin verantwortlichfür die termingerechte Inbetriebnahme und Einhaltung des Projektkredites. Dazu muss ich die verschiedenen Fachspezialist:innen koordinieren, d.h. korrekt beauftragen und die einzelnen Arbeitspaketeaufeinander abstimmen. Der Austausch mit verschiedenen SZU-internensowie auch externen Anspruchsgruppen ist eine weitere wichtige Aufgabe in meiner Rolle.

 

Warum ist dieser Spurwechsel nötig? Was ist der Mehrwert für die Fahrgäste?
Die S10 ist mit einem anderen Stromsystem unterwegs als die S4. Sie kann deshalb aktuell nur das Gleis auf der Seite der Sihl befahren. Nach dem Bau des neuen Gleises auf Höhe Google-Gebäude und der Umstellung der S10 von Gleichstrom auf Wechselstrom können die S10 und die S4 gleichzeitig zwischen Zürich HB und dem Bahnhof Giesshübel verkehren. Die betriebliche Flexibilität wird erhöht, indem sich die Züge gegenseitig ausweichen und nicht auf dem Gleis auf Seite der Sihl abwarten müssen. So kann die S10 zukünftig noch pünktlicher verkehren.

 

Sie erreichen zurzeit eine Pünktlichkeits-Quote von rund 95 Prozent. Das scheint bereits sehr pünktlich zu sein.
Warum muss die SZU noch pünktlicher werden und welche Quote streben Sie an? Der SZU ist es wichtig, dass sich die Fahrgäste auf den Fahrplan verlassen können und ihre Ziele pünktlich erreichen. Hat beispielsweise ein Fahrgast die Erfahrung gemacht, dass eine bestimmte Verbindung oft verspätet ist, nimmt sie oder er deshalb einen Zug früher oder sogar das Auto. Genau solche Situationen möchten wir verhindern und unseren Kund:innen die bestmöglichen Verbindungen anbieten. Mit einer verbesserten Pünktlichkeit werden das Vertrauen in die Zugverbindungen gestärkt und die Fahrzeit gesamthaft verringert. Angesicht des stets zunehmenden Fahrgastaufkommens strebt die SZU eine möglichst hohe Pünktlichkeit an, um den Fahrgästen einen verlässlichen Fahrplan anbieten zu können.

 

Welche Meilensteine gibt es bei diesem Projekt und über wie viele Monate erstreckt sich dieses?
Der erste Meilenstein war die sogenannte Plangenehmigungsverfügung (entspricht der Baugenehmigung nach Eisenbahngesetz), die bereits im Herbst 2021 eintraf. Im Frühjahr 2022 finden sämtliche Vorbereitungsarbeiten statt. Die Haupt- und Nacharbeiten erfolgen im Sommer 2022. Das heisst, wir wären planmässig im Spätsommer 2022 mit dem Bau der neuen Weiche fertig.

 

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen?
Sämtliches Material muss auf der Schiene an- und abtransportiert werden, da die Baustelle nicht per LKW erreichbar ist. Dies stellt die grösste Herausforderung dar und erfordert eine gute Planung. Speziell ist auch die Koordination mit den Projekten, die parallel laufen: Die Sanierung der Giesshübelbrücke und des Gattikertunnels und die Umstellung der Stromversorgung der S10. Alle Projekte werden zur selben Zeit realisiert und sollen logistisch über die Schiene erschlossen werden. Zudem sind Bauzüge im Einsatz, welche zusätzlich zu den regulären Unterhalts- und Personenzügen Abstellkapazitäten beanspruchen. Wir haben zudem Nachtarbeiten geplant. Dies ist einerseits für das Baustellenpersonal belastend, andererseits stellt dieser Umstand gewisse Anforderungen an das Projekt, um direkte Anwohner:innen vor Beeinträchtigungen schützen zu können.

 

Wie planen Sie, diese Herausforderungen zu meistern?
Die verschiedenen, gleichzeitig laufenden Projekte bedingen einen exakt getakteten Bauablauf mit einer entsprechend detailliert geplanten Logistik, sodass sich die verschiedenen Unternehmungen der Baustellen nicht gegenseitig behindern. Der Ablauf der Projekte erlaubt zudem keine Flexibilität im Zeitplan. Der Umschlag auf dem Installationsplatz des Tiefbauamts Zürich unter der Sihlhochstrasse beim Manesseplatz löst das Problem der Erschliessung der Baustelle über die Schiene. Dort besteht ein Anschlussgleis mit der Möglichkeit, Material von der Strasse auf die Schiene und umgekehrt umzuladen.

 

Wird es zu Lärmemissionen kommen?
Die Belastung der Anwohner:innen aufgrund der vielen Nachtarbeiten wird mit verschiedenen Massnahmen reduziert. Wir haben lärmige Bauarbeiten hauptsächlich auf den Tag gelegt. Unsere Maschinen entsprechen zusätzlich den neusten Lärmschutzanforderungen. Bauarbeiter:innen werden auf die Thematik sensibilisiert und sind angewiesen, den Funk zu nutzen sowie unnötigen Lärm zu vermeiden. Zudem ist es der SZU wichtig, die Anwohner:innen laufend über geplante Nachtarbeiten direkt zu informieren: etwa via Inserat im amtlichen Anzeiger sowie Flyer in den Briefkästen.

 

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Das Projekt «Spurwechsel Google» ist für mich das erste Projekt, das ich für die SZU leite. Ich freue mich sehr, wenn ich es dank einem sehr gut zusammenarbeitenden Team aus verschiedenen Firmen terminund
budgetgerecht abschliessen darf. Mit diesem Projekt wird der öffentliche Verkehr im städtischen Umfeld nachhaltig gestärkt. Es ist spannend, bei diesem wichtigen Projekt mitwirken und zur Modernisierung der SZU beitragen zu dürfen.

 

Gerne möchte ich an dieser Stelle der SZU für das entgegengebrachte Vertrauen und dem sehr engagierten Projektteam für den grossartigen Effort meinen herzlichen Dank aussprechen.

Sebastian Etter

Sebastian Etter von der F. Preisig AG, Bauingenieure und Planer SIA USIC, leitet das Projekt des Baus des Spurwechsels Google.